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Die Rückkehr des Wolfes!

Das war das Motto der Veranstaltung wozu der Lernort Natur e.V.("Rollende Waldschule") am 05.04.2017 zu Pass in Oeding geladen hatte. Über 100 Interessierte hatten sich zu dieser öffentlichen Vortragsreihe eingefunden.

Über das Thema Wolf wird in der Bevölkerung kontrovers diskutiert. Es gibt die Befürworter und die Wolfsgegner und beide haben offenbar treffende und gute Argumente für ihre Meinungen.

Um hier einmal die Fakten klar zu benennen hatte der Lernort Nautur e.V. an diesem Abend drei Fachreferenten geladen.

Zum Einen Herr Thomas Pusch vom Arbeitskreis Wolf des NABU NRW. Er berichtete von den 14 bestätigten Wolfssichtungen in NRW.  Mittels DNA-Proben konnten die getöteten Beutetiere auf ihren Wegen durch NRW eindeutig als Wolfrisse zugeordnet werden. Es handele sich hierbei ausschließlich um durchwandernde Wölfe, so Pusch. Er berichtete über die enormen Wanderstrecken der Tiere und deren interessante Biologie. Insbesondere stellte er das Abwanderungsverhalten der Jungwölfe anschaulich dar.

Zum Anderen Herr Theo Grüntjens als erfahrener Wolfsberater und Jäger in Niederdachsen. Dort arbeite die Jägerschaft in enger Kooperation mit dem Land zusammen. Zurzeit gäbe es in Niederdachsen belegbar 11 feste Wolfsrudel. Ein Rudel besteht aus 9 - 11 Tieren. Hinzu kämen noch einige Einzeltiere wusste er zu berichten. Er schilderte die starken Verhaltensänderungen unter den einheimischen Wildtieren. Das vor mehr als 100 Jahren in unserem Lebensraum eingebrachte Muffelwild wird den Wolf nicht überleben. Der Wolf als Beutegreifer ist dieser Art genetisch nicht mitgegeben. Auch das Dammwild wird es schwer haben, so Grüntjens. Rehe, Rotwild und Schwarzwild hingegen werden sich nach einer vorübergehenden Bestandsreduzierung in wenigen Jahren den neuen Gegebenheiten anpassen können. Sie werden ihre Lebensräume viel breiter ausnutzen müssen um den Wolf auszuweichen. Für uns Menschen werden die Wildarten in den ersten Jahren unsichtbar sein.

Interessant aber auch problematisch sei die Reproduktionsrate unter den Wölfen. Diese liege im Jahr bei gut 30 %.  Jungwölfe, durchschnittlich 3 - 6 Stück je Wurf, werden bereits ab dem 10. Monat geschlechtsreif. Alle 3 Jahre verdoppelt sich somit die Population! Es kommt in wenigen Jahren unweigerlich ein großes Problem auf uns zu. Hier sei dringend die Politik gefordert, so Grüntjens, um Pläne zu erarbeiten, die Wolfsanzahl den vorhandenen Lebensräumen anzupassen.

Rechtsanwalt Jürgen Reh vom Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer schilderte die Auswirkungen auf die Betroffenen. Klein- und Nebenerwerbslandwirte insbesondere die Schäfer werden die Auflagen einer möglichen Wolfsschadenserstattungen nicht leisten können. Sie werden ihrer Existenz beraubt. Beispielhaft nannte er die zwingende elektrische Einzäunung der Schafherden an jedem wechselnden Standort. Das z. B. oft propagierte Anschaffen von Schafschutzhunden sieht er ebenfalls problematisch, da diese Tiere eine gewisse "Schärfe" mit sich bringen und eine nicht zu verkennende Gefahr für Erholungssuchende darstellt. Die Haltung der Hunde, es müssen wenigstens 2 Tiere sein, bringen ebenfalls einen große finanzielle Belastung mit sich.

Diese Mehrkosten der meist 1-2 Person-Betriebe sind von diesen nicht zu stemmen. Sie werden leider weiter verschwinden, denn die möglichen Kostenzuschüsse reichen bei weitem nicht, diesen Mehraufwand zu decken. Grundsätzlich sehe er die Akzeptanz in der Bevölkerung bei einer größeren Wolfspopulation auch nicht mehr gegeben. Bringe sie doch nicht unerhebliche Einschränkungen für Besucher und Nutzer in unserer Kulturlandschaft mit sich. Beispielhaft nannte er die Hunde- und Hobbytierhalter.

In der anschließenden sehr sachlichen geführten Diskussion standen die Referenten bis in den späten Abend den Fragen der Anwesenden Rede und Antwort. Herr Rülfing, Vorsitzender des Lernort Natur e.V. bedanke sich bei den Referenten für ihre informativen Vorträge und den Gästen für die interessanten sachlichen Fragen und wünschte allen einen guten Heimweg.

Ludwig Fischer


 

(Personen v.l.n.r. Roland Schulte, Thomas Pusch, Theo Grüntjens, Jürgen Reh, Heinrich Rülfing)

Der "Förderkreis Lernort Natur e.V." packt heisse Themen an.
Der Förderkreis Lernort Natur Borken e.V. besteht seit ca. 25 Jahren. 
Getragen wird der Verein u. a. vom Gründungsmitglied der Kreisjägeschaft
Borken e.V., allen örtlichen Hegeringen im Kreis und von Fördermitgliedern. 
Ziel des Vereines ist u. a. der Naturentfremdung bei Kindern und Jugendlichen und Erwachsenen entgegenzuwirken. 
Hierzu ziehen pädagogisch geschulte Jägerinnen und Jäger u. a. in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen um
unsere Natur und der Zusammenhänge erlebbar darzustellen. Am 12.04.2016, im Anschluss an seiner Mitgliederversammlung,
hatte Lernort Natur zu einer öffentlichen Vortragsund Diskussionsveranstaltung eingeladen. 
Thema des Abends war der Insektenrückgang in unserer Landschaft und die Auswirkungen von Prädatoren und deren Bejagung.
Eine Vielzahl Jäger, Naturschützer und Naturinteressierte kamen zu dieser Veranstaltung nach Oeding ins Burghotel Pass.
 
Als erster Redner referierte Dr. Martin Sorg vom entomologischen Verein Krefeld e.V. über seine Forschungsergebnisse.1
 Entomologie ist die in der Wissenschaft benutzte Bezeichnung für die Insektenkunde.
Seit Jahrzehnten forscht, zählt, sortiert und dokumentier Dr. Sorg, wissenschaftlich fundiert, die Insektenvorkommen
in den vielen Naturschutzgebieten NRW's. Als Grundlage seiner Forschung nutzt er den Insektenfang, über ganze
Vegetationsperioden hinweg, an gleichen Stellen, zur gleichen Zeiten und über lange Zeiträume, so Sorg.
Seine Aufzeichnungen, graphisch aufgearbeitet und mit Zahlen hinterlegt, zeigte die dramatische Verringerung der
Insekten in unserer Landschaft auf. Rückgänge von über 80 % der Biomasse in den letzten 20 Jahren konnte Sorg so dokumentieren.
Der Artenrückgang der Insekten ging in diesem Zeitraum ebenfalls dramatisch zurück.
 
Als zweiter Vortrag an diesem Abend referierte Dr. Jürgen Eylert von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung in Bonn über die Prädatorendichte in NRW.2
 
Die Forschungsstelle ist dem Landesumweltamt angegliedert und befasst sich u. a. mit der Wildbiologie, der Wildökologie
und dem Schutz des Wildes und seinen Lebensräumen.
Detailliert zeigte Dr. Eylert die Bestandsentwicklung unserer heimischen Prädatoren in unserer Kulturlandschaft auf. 
Die Bestände von Fuchs, Marder und Co. haben sich in den letzten Jahren vervielfacht.
Auch die intensivere Bejagung dieser Arten, insbesondere dem Fuchs, hat diesen Trend noch nicht maßgeblich bremsen können. 
Häufig auftretende Krankheitsbilder von Räude und Staupe spiegeln ebenfalls einen hohen Bestand wieder.
In den vergangenen Jahren sind die Neozoen hinzu kommen.
Arten, die in unserer Kulturlandschaft bis dahin nicht vertreten waren. Diese Neubürger unter den Prädatoren sind Waschbär, Marderhund und Mink. 
So hat die Waschbärpopulation im Osten Westfalen in kurzer Zeit Dimensionen angenommen, die massiv den Vogelnachwuchs beeinflusst, 
so Eylert. Vom Rotmilan bis zum Singvogel. 
Die hohen Prädatorenbestände greifen nachweislich massiv in die Wildtierpopulationen und deren Reproduktion ein. 
Die Überwachung von Nestern, Bauen und Gelegen mit Kameras zeigten diesen starken Einfluss eindeutig auf. 
Es besteht ein starker Fraßdruck z.B. auf Hase, Fasan aber auch auf Kiebitz und Lärche. 
Auch in Naturschutzkreise hat sich, so Eyler, endlich die Erkenntnis durgesetzt, dass ohne intensive Jagd auf Prädatoren der Druck für viele Tierarten in unserer Landschaft zu hoch ist und diese auf Dauer nicht zu halten sind.
Heinrich Rülfing, Vorsitzender des Förderkreises Lernort Natur e.V. bedankte sich bei den Referenten für die beeindruckenden
Vorträge und gut aufbereitete visuellen Darstellungen zu Ihren Themen. 
„Das hat einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden hinterlassen“, so Rülfing.
Diese aufgezeigte Thematik zeige, das Landwirte, Waldbauern, Naturschützer und Jäger viel enger zusammen arbeiten müssen. 3
Eines einigt uns doch alle, wir wollen einen artenreichen, gesunden und angepassten Tierbestand in unserer Kulturlandschaft erhalten, so sein Schlußwort.
 
Ludwig Fischer
 
 
 
 

(v.l.n.r.) R.Schulte KJS-Vorsitzender,
Dr Martin Sorg, Dr.Jürgen Eylert,
Heinrich Rülfing Vors. Lernort Natur

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